Welchen Schnitt benötigt mein Obstbaum?

Obstbaumschnitte sind wichtig, damit dein Baum vital bleibt, ausreichend mit Luft und Sonnenlicht versorgt wird und dir eine reiche Ernte beschert. Bei der Vielzahl an Schnitttechniken verliert man jedoch schnell den Überblick. Was genau ist noch einmal der Unterschied zwischen einem Erziehungs- und einem Erhaltungsschnitt? Im folgenden Artikel verraten wir dir, worin die Besonderheiten der einzelnen Schnittarten liegen und welche Technik sich am besten jetzt für deinen Obstbaum eignet!

Der Pflanzschnitt:

Sobald du deinen Obstbaum gepflanzt hast, ist der Pflanzschnitt fällig. Er legt die Basis für eine gesunde Kronenbildung und stellt sicher, dass dein Baum in Zukunft viele Früchte tragen kann. Die Leit- und Gerüstäste, die später die Krone bilden, bleiben deinem Obstbaum über seine gesamte Lebenszeit erhalten.

So geht’s:

  • Rund um den jungen Stamm solltest du nur etwa drei bis vier Hauptäste – die Leitäste – stehen lassen. Optimal ist, wenn sie in einem Winkel von 45 bis 50 Grad zum Mitteltrieb, der sogenannten Stammverlängerung, stehen. Wachsen sie zu flach, solltest du sie hochbinden.
  • Schneide deine Äste direkt über dem Auge ab – so erhältst du später schöne Verzweigungen ohne “tote Enden”.
  • Um Astbruch zu vermeiden, solltest in den ersten Jahren alle Schlitzäste entfernen. Das sind steilstehende Seitentriebe, die nicht ausreichend mit dem Stamm verwachsen sind und bei Belastung leicht abbrechen können.

Der Erziehungsschnitt:

Dein Obstbaum ist noch jung? Dann ist es Zeit für einen Erziehungsschnitt! Bei dieser Technik ist das Ziel, deinen Obstbaum so zu „erziehen“, dass er eine belastbare Statik aufbaut. Auch mit dem Erziehungsschnitt stellst du sicher, dass dein Baum genügend Kraft hat, um viele Früchte zu tragen. Gleichzeitig sorgst du dafür, dass alle Baumpartien ausreichend mit Sonnenlicht und Luft versorgt werden.

So geht’s:

  • Der Erziehungsschnitt ist einmal im Jahr fällig und erfolgt während der Winterruhe (November bis April). Am besten schneidest du erst kurz vor Vegetationsbeginn – vermeide aber, dass es noch kälter ist als -5°C.
  • Damit sich dein Baum gut verzweigt, schneidest du die Leitäste und die Stammverlängerung jährlichum ein bis zwei Drittel zurück. Schneide dabei immer von außen und kurz über dem Auge ab. Damit die Krone gleichmäßig wächst, sollten die Leitäste möglichst in gleicher Höhe eingekürzt werden. Die Stammverlängerung überragt die Leitäste im Idealfall um rund 20 Zentimeter.
  • Seitentriebe auf der Oberseite der Leitäste, die senkrecht und zur Mitte wachsen, entfernst du an der Basis. Seitentriebe auf der Unterseite der Leitäste, die nach außen stehen, werden in den ersten Jahren eingekürzt. Sie sollten deutlich kürzer als die Leitäste sein.
  • Entferne auch alle Seitenäste, die zu dicht stehen, direkt an der Basis.

Obstbaumschnitt

Der Pflege- und Erhaltungsschnitt

Auch wenn dein Obstbaum schon „erwachsen“ ist, trägt eine gezielte Pflege weiter zum gesunden Wachstum bei. Pflege- und Erhaltungsschnitte helfen, das Kronengerüst zu erhalten und die Stabilität der Äste langfristig zu sichern. Außerdem treibt dein Obstbaum so regelmäßig neu aus, was zu einer kontinuierlichen Holzverjüngung führt.

So geht’s:

  • Überalterte Fruchtäste solltest du entfernen. Diese erkennst du daran, dass sie stark herunterhängen. Zur Verjüngung schneidest du den gesamten Ast hinter einem jüngeren, vitalen Seitentrieb ab.
  • Auslichten: Entferne Äste, die zu dicht stehen oder sich berühren, sowie alle Zweige, die kahl und abgestorben sind.
  • Auch Wasserschosse solltest du regelmäßig entfernen. Diese aufrechtwachsenden Langtriebe entstehen häufig, wenn du deinen Baum sehr stark zurückgeschnitten hast. Sie können auf längere Sicht zur Konkurrenz für die Hauptkrone werden. Statt sie abzuschneiden, kannst du sie auch ausreißen – warte hierfür aber den Frühsommer ab, damit die Wunden besser ausheilen können.

Der Sommerschnitt

Bei Obstbäumen kommen nicht nur klassische Winterschnitttechniken zum Einsatz. Auch ein Sommerschnitt ist bei stark wachsenden Arten – vor allem bei Apfelbäumen – von großer Bedeutung. Die Ziele: Das Wachstum bremsen und die Bildung neuer Blüten- und Fruchtansätze befördern. Als sinnvoller Zeitpunkt bieten sich meist Juli und August an.

  • Beim Sommerschnitt entfernst du nur einjährige Triebe.
  • Starke Äste oder mehrjährige Astverzweigungen solltest du beim Sommerschnitt nicht abschneiden. Dein Baum müsste in diesem Fall Nährstoffe umleiten und Reservestoffe reduzieren. Diese sind aber wichtig, damit dein Baum frosthart bleibt.
  • Auch eine leichte Kronenpflege ist möglich – generell sollte der Sommerschnitt jedoch sehr maßvoll ausfallen.

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